Wie private E-Autos das Stromnetz stabilisieren können – Pilotprojekt zeigt Durchbruch
Tobias LangWie private E-Autos das Stromnetz stabilisieren können – Pilotprojekt zeigt Durchbruch
Ein wegweisendes Pilotprojekt in Deutschland hat gezeigt, wie private Elektroautos zur Entlastung des Stromnetzes beitragen können. Über 700 batteriebetriebene Fahrzeuge aus Privathaushalten nahmen an der Initiative OctoFlexBW teil, die vom Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW und dem Energieunternehmen Octopus Energy geleitet wurde. Die Ergebnisse belegen: Alltagstaugliche E-Autos können eine Schlüsselrolle dabei spielen, den Strombedarf in Spitzenzeiten auszugleichen.
Das im März 2026 abgeschlossene Projekt OctoFlexBW verband die DA/RE-Plattform von TransnetBW mit dem KrakenFlex-System von Octopus Energy. Diese Schnittstelle ermöglichte eine Echtzeitsteuerung des Ladens, sobald das Netz an seine Kapazitätsgrenzen stieß. Die Fahrzeughalter gaben ihre gewünschte Lademenge und den Fertigstellungszeitpunkt vor, während das System den Ladevorgang dynamisch an Strompreise und Netzanforderungen anpasste.
Während des Versuchs stellte die Flotte von rund 700 Fahrzeugen täglich etwa zwei Megawattstunden an Flexibilität bereit. Die Ergebnisse zeigten, dass solche Systeme problemlos in bestehende Redispatch-Prozesse integriert werden können – ohne Störungen. Experten schätzen, dass eine Million E-Autos künftig mehrere Gigawattstunden Flexibilität pro Tag liefern könnten – genug, um einen großen Teil des aktuellen Redispatch-Bedarfs in Deutschland zu decken.
Der Erfolg von OctoFlexBW führte zur Folgeinitiative DataFleX. In dieser nächsten Phase soll das Modell auf mehr Fahrzeuge, Heimspeicherlösungen und möglicherweise weitere Technologien ausgeweitet werden. Die Partner streben zudem eine Skalierung über verschiedene Netzebenen an – mit dem Ziel, die Prozesse sogar mit europäischen Plattformen zu verknüpfen.
Für die Zukunft setzt sich das Projektteam für angepasste Regularien ein, um das sogenannte "Redispatch 3.0" zu ermöglichen. Damit ließen sich dezentrale Flexibilitätsquellen – von E-Autos über Wärmepumpen bis hin zu Solarspeichern – besser nutzen. Solche Änderungen könnten die Netzstabilität angesichts der zunehmenden Elektrifizierung deutlich stärken.
Das OctoFlexBW-Projekt hat bewiesen, dass private E-Autos aktiv zur Netzstabilität beitragen können. Mit weiterer Entwicklung könnte dieser Ansatz die Abhängigkeit von klassischen Redispatch-Maßnahmen verringern. Die nächsten Schritte umfassen die Skalierung der Technologie und die Anpassung der Rahmenbedingungen, um mehr flexible Energiequellen in das System zu integrieren.






