Verkehrsminister blockieren Zweipersonen-Regel – Gewerkschaften empört über Sicherheitslücke
Johanna JägerVerkehrsminister blockieren Zweipersonen-Regel – Gewerkschaften empört über Sicherheitslücke
Verkehrsministerkonferenz lehnt verpflichtende Zweipersonen-Besatzungen in Zügen ab
Trotz wachsender Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Bahnmitarbeitern hat die Verkehrsministerkonferenz Forderungen nach einer gesetzlichen Verpflichtung zu Zweipersonen-Teams in Zügen zurückgewiesen. Gewerkschaften, darunter die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), hatten nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter Anfang dieses Jahres auf die Einführung einer solchen Regelung gedrängt. Die Entscheidung löste scharfe Kritik von Gewerkschaftsvertretern aus und befeuerte die Debatte über die Sicherheit im Schienenverkehr erneut.
Die Minister waren zusammengekommen, um über Sicherheitsmaßnahmen nach einer Reihe gewalttätiger Vorfälle gegen Bahnbedienstete zu beraten. Zwar sprachen sie sich für ein bundesweites Verbot von Waffen und Messern im Personenverkehr aus, lehnten jedoch einheitliche Vorgaben zur Personalstärke ab. Stattdessen überließen sie die Entscheidung über die Besetzung der Züge den einzelnen Verkehrsunternehmen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder kündigte an, die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen bis Ende April überprüfen zu wollen. Zudem stehe er in Gesprächen mit Behörden, um die Überwachung an Bahnhöfen zu verbessern. Die Deutsche Bahn hat unterdessen bereits eigene Schritte eingeleitet, um die Sicherheit zu erhöhen: So wurden Körperkameras für das Servicepersonal eingeführt und die Verfahren zur Identitätskontrolle verschärft.
EVG-Chef Martin Burkert verurteilte die Entscheidung der Minister scharf und warnte, dass die Gewalt gegen Mitarbeiter ohne strengere Regeln weiter zunehmen werde. Die Gewerkschaft vertritt seit Langem die Position, dass Zweipersonen-Teams unverzichtbar seien, um Zugbegleiter zu schützen – insbesondere nach den bekannt gewordenen Angriffen. Trotz dieser Bedenken hielten die Minister an ihrer Haltung fest und unterstützten stattdessen die jüngsten Sicherheitsverbesserungen der Deutschen Bahn.
Die Ablehnung verpflichtender Zweipersonen-Besatzungen bedeutet, dass die Verkehrsunternehmen weiterhin selbst über die Personalplanung entscheiden können. Die neuen Sicherheitsmaßnahmen der Deutschen Bahn, darunter Körperkameras und strengere Kontrollen, bleiben damit zentral für den Schutz der Mitarbeiter. Schnieders Überprüfung der bestehenden Richtlinien soll bis Ende April abgeschlossen sein; parallel laufen weitere Gespräche zur Verbesserung der Bahnhofssicherheit.






