Saisonarbeiter in Deutschland: Ausgebeutet, überarbeitet und ohne Schutz
Tobias LangSaisonarbeiter in Deutschland: Ausgebeutet, überarbeitet und ohne Schutz
Saisonarbeiter in Deutschland leiden weiterhin unter harten Bedingungen – mit Berichten über extreme Arbeitszeiten, illegale Lohnabzüge und menschenunwürdige Unterkünfte. Eine aktuelle Untersuchung deckte weitverbreitete Verstöße auf Dutzenden Höfen auf und wirft Fragen nach systematischer Ausbeutung in der Branche auf.
Bei Kontrollen stellte sich heraus, dass Beschäftigte auf 36 Betrieben bis zu 70 Stunden pro Woche arbeiten mussten und in überteuerten, beenigten Unterkünften lebten. Auf einem Hof in Hessen wurden für einen 15 Quadratmeter großen Frachtcontainer über 2.000 Euro Miete im Monat verlangt. Gleichzeitig kam es zu Lohnbetrug: Auf einem Betrieb wurden Arbeitnehmern fast 1.000 Euro illegal vorenthalten.
Der Deutsche Bauernverband setzt sich für eine 20-prozentige Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte ein – unterstützt von CDU und AfD. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem ein neuer Tarifvertrag landesweit 10 Prozent mehr Lohn über 33 Monate für Agrarbeschäftigte vorsieht. Ungelernte Saisonarbeiter erhalten jedoch in den ersten vier Monaten weiterhin nur den gesetzlichen Mindestlohn.
Die staatliche Aufsicht wurde deutlich geschwächt: Die Zahl der Betriebsprüfungen sank von fast 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024. Gleichzeitig wurden die Regelungen gelockert: Die sozialabgabenfreie Kurzzeitbeschäftigung wurde von 70 auf 90 Tage pro Jahr ausgeweitet – was die Arbeiter ohne grundlegenden Schutz zurücklässt.
2023 waren rund 243.000 Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt. Doch die genaue Zahl und Herkunft dieser Kräfte wird nicht erfasst, was die Aufdeckung von Missständen zusätzlich erschwert.
Die Erkenntnisse zeigen, dass die Ausbeutung im Agrarsektor fortbesteht. Zwar halten sich einige Betriebe an die Vorschriften, doch die dokumentierten Fälle deuten auf ein systematisches Muster von Lohnvorenthaltung, überlangen Arbeitszeiten und unzumutbaren Wohnverhältnissen hin. Mit nachlassenden Kontrollen und erweiterten Ausnahmen bleiben die Arbeiter weiter dem Risiko von Misshandlung ausgesetzt.






