03 May 2026, 20:04

Sachsen diskutiert Rückerstattung von Studiengebühren für internationale Fachkräfte

Ein Plakat mit einer US-Karte, das verschiedene Arten von Bevölkerungswanderung veranschaulicht und begleitenden Text enthält.

Sachsen diskutiert Rückerstattung von Studiengebühren für internationale Fachkräfte

In Deutschland wird die Frage der Studiengebühren für internationale Studierende neu diskutiert. Während die meisten staatlichen Hochschulen weiterhin gebührenfrei bleiben, erhebt Baden-Württemberg seit 2017 von Studierenden aus Drittstaaten 1.500 Euro pro Semester. Nun hat die AfD-Fraktion in Sachsen einen ähnlichen Gebührenvorschlag eingebracht – allerdings mit einer Besonderheit für diejenigen, die in der Region bleiben und arbeiten.

An öffentlichen Hochschulen in Deutschland werden in der Regel keine Studiengebühren erhoben, mit Ausnahme von Zweitstudiengängen in einigen Bundesländern, wo die Gebühren zwischen 350 und 700 Euro pro Semester liegen. Baden-Württemberg brach mit dieser Praxis, als es im Wintersemester 2017/2018 für Studierende aus Nicht-EU-Ländern eine Gebühr von 1.500 Euro einführte.

Die AfD in Sachsen hat nun einen Gesetzentwurf vorgelegt, der dieses Modell übernehmen soll. Allerdings sieht ihr Vorschlag eine Rückerstattungsoption vor: Internationale Studierende könnten die Gebühren nach fünf Jahren durchgehender steuerpflichtiger Beschäftigung in Sachsen zurückerhalten. Befürworter argumentieren, dass dies Fachkräftemangel lindern und gleichzeitig Einnahmen generieren könnte.

Studien zufolge bringen internationale Studierende langfristige wirtschaftliche Vorteile. Eine Untersuchung des Kölner Instituts für Wirtschaftsforschung (IW) ergab, dass jeder Jahrgang von 1.000 Erstsemestern aus dem Ausland über 44 Jahre hinweg zusätzliche 620 Millionen Euro einbringt – selbst bei geringer Bleibequote. Das IW berechnete zudem einen öffentlichen Überschuss von 7,36 Milliarden Euro durch die 79.000 internationalen Studierenden, die 2022 ihr Studium begannen.

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Kritiker verweisen jedoch auf die Kosten für die Steuerzahler. Deutsche Hochschulen geben pro Studierendem jährlich etwa 11.000 Euro aus, die größtenteils öffentlich finanziert werden. Gleichzeitig warnt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass Deutschland bis 2035 jährlich 400.000 Nettozuwanderer benötigt, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren.

In Europa sind Studiengebühren weit verbreitet. In rund 30 Prozent der Länder liegen sie bei über 500 Euro pro Semester, und zwei Drittel erheben für Studierende aus Drittstaaten höhere Gebühren. Das deutsche Modell stellt derzeit eine Ausnahme dar, doch wirtschaftliche Zwänge – von demografischen Veränderungen bis zu steigenden Energiekosten – drängen auf Reformen.

Der sächsische Vorschlag könnte die Finanzierung des Hochschulwesens für internationale Studierende in Deutschland neu prägen. Falls umgesetzt, könnte er eine Lösung bieten, um Fachkräftelücken zu schließen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Vorteile ausländischer Talente zu nutzen. Die Debatte spiegelt die größeren Sorgen um die Zukunft der deutschen Arbeitskräfte und der öffentlichen Finanzen wider.

Quelle