Sachsen-Anhalt vernachlässigt Mindestlohnkontrollen – Arbeitnehmer zahlen den Preis
Marie GüntherSachsen-Anhalt vernachlässigt Mindestlohnkontrollen – Arbeitnehmer zahlen den Preis
Mindestlohnkontrollen in Sachsen-Anhalt stark geschwächt
In Sachsen-Anhalt hat die Durchsetzung des Mindestlohns in den letzten Jahren deutlich an Wirksamkeit verloren. Die Kontrollen durch die Zollbehörden sind drastisch zurückgegangen, sodass viele Beschäftigte weiterhin unter dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt werden. Kritiker warnen, dass Verstöße zunehmend unentdeckt bleiben, da Unternehmen seltener überprüft werden.
Die Zahl der Betriebe in Sachsen-Anhalt ist kontinuierlich gesunken – von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025. Parallel dazu hat auch die Überwachung der Arbeitsgesetze nachgelassen. Die Zollkontrollen liegen mittlerweile nur noch bei 42,4 Prozent des Niveaus von vor drei Jahren.
2025 führte die Finanzkontrolle illegaler Beschäftigung (FKS) lediglich 691 Betriebsprüfungen durch – ein Rückgang gegenüber 1.598 im Jahr 2022. Bei dieser Rate müsste ein durchschnittlicher Betrieb in der Region nur alle 90 Jahre mit einer Kontrolle rechnen. Noch prekärer ist die Situation in der Landwirtschaft: Hier wurden 2024 nur neun von 2.105 Höfen überprüft – statistisch gesehen stünde einem Betrieb also alle 234 Jahre eine Inspektion bevor.
Trotz eines gesetzlichen Mindestlohns von derzeit 13,90 Euro (mit geplanter Erhöhung auf 14,60 Euro bis 2027) verdienen viele Arbeitnehmer deutlich weniger. Rund 195.000 Menschen in Sachsen-Anhalt erhalten weniger als 15 Euro pro Stunde – das entspricht 23,3 Prozent aller Beschäftigten. Besonders betroffen sind nicht tarifgebundene Arbeitsplätze, wo 35 Prozent der Mitarbeiter unter dieser Grenze liegen.
Der Linken-Abgeordnete David Schliesing fordert nun dringendes Handeln. Er verlangt spezielle Staatsanwälte und mehr Personal beim Zoll, um Lohnverstöße wirksamer zu bekämpfen.
Mit rückläufigen Kontrollen und einer schrumpfenden Wirtschaftslandschaft bleibt die Mindestlohndurchsetzung in Sachsen-Anhalt unter Druck. Das aktuelle System lässt viele Arbeitnehmer unter dem Mindestlohn arbeiten, während Unternehmen kaum Überwachung fürchten müssen. Forderungen nach strengeren Kontrollen werden lauter – konkrete Änderungen stehen jedoch noch aus.






