Pharmaverbände fordern von Warken rasche Reformen gegen China-Abhängigkeit
Tobias LangPharmaverbände fordern von Warken rasche Reformen gegen China-Abhängigkeit
Fünf führende Verbände der Pharma- und Biotechnologiebranche haben die deutsche Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zu raschem Handeln aufgefordert. Mit ihrem Appell wollen sie Deutschlands Position als einer der weltweit wichtigsten Standorte für medizinische Innovation schützen. Besorgnis erregt vor allem die wachsende Abhängigkeit von China bei essenziellen Wirkstoffen und Arzneimittelkomponenten sowie die stockenden Reformvorhaben.
Die Verbände warnten zudem, dass jüngste politische Maßnahmen – darunter strengere Preisregulierungen und Handelsdruck aus den USA – die Zukunft des Sektors gefährdeten.
Erstmals hatten die Organisationen Alarm geschlagen wegen der starken Abhängigkeit Deutschlands von chinesischen Lieferanten für pharmazeutische Wirkstoffe und Schlüsseltechnologien. Ohne Gegensteuerung, so ihre Argumentation, könnte diese Verwundbarkeit die Fähigkeit des Landes beeinträchtigen, die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten langfristig zu sichern.
In ihrem Schreiben verwiesen sie auf seit Monaten unbeantwortete Reformvorschläge. Zwar räumten sie ein, dass der jüngste Pharma-Dialog das Vertrauen gestärkt habe, doch betonten sie, dass tiefgreifende, nachhaltige Veränderungen nötig seien – und keine kurzfristigen Lösungen.
Entschieden lehnten die Branchenvertreter Maßnahmen wie verschärften Preisdruck auf patentgeschützte Arzneimittel und strengere mengenbasierte Preisregelungen ab. Kritik übten sie auch am GKV-Finanzstabilisierungsgesetz, das ihrer Ansicht nach Unsicherheit und Instabilität auf dem Markt geschaffen habe.
Gefordert wurde ein klarer Fahrplan für die nächste Phase der Pharma-Strategie. Die Verbände bestanden darauf, dass alle zuständigen Bundesministerien sowie die Bundeskanzlei in die Ausarbeitung einbezogen werden müssten. Ziel sei es, Planungs- und Rechtssicherheit für Unternehmen in Deutschland zu gewährleisten.
Seit dem gemeinsamen Appell zeigt die Regierung leichte Kurskorrekturen. Beim Pharma- und Medizintechnikdialog 2025 wurden sechs Arbeitsgruppen zu Themen wie Versorgungssicherheit, Innovation und weiteren Schlüsselfragen eingerichtet. Dennoch bleibt die Branche frustriert über die anhaltende Fixierung auf Kostensenkung statt auf Maßnahmen, die Deutschlands Attraktivität als Forschungs- und Produktionsstandort stärken würden. Die Ergebnisse dieser Beratungen sollen bis Herbst 2026 in eine nationale Strategie münden, die das Kabinett beschließen soll.
Der Reformdruck der Verbände verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen Kostenkontrolle und der Aufrechterhaltung eines wettbewerbsfähigen Pharmasektors. Zu ihren Forderungen gehört eine ressortübergreifende Strategie, um die Marktbedingungen zu verbessern und die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern zu verringern.
Die nächsten Schritte der Regierung werden zeigen, ob es Deutschland gelingt, Bezahlbarkeit und Innovation in Einklang zu bringen. Die Branche wartet derweil auf konkrete Maßnahmen, die die Rolle des Landes in der globalen Arzneimittelentwicklung stärken.






