04 April 2026, 02:04

Merz sorgt mit umstrittenen 80-Prozent-Rückkehrplänen für Syrer für Eklat

Ein Plakat mit einer Karte von Syrien und Daten zu Binnenvertriebenen aufgrund von Gewalt, begleitet von Text und Grafiken.

Merz sorgt mit umstrittenen 80-Prozent-Rückkehrplänen für Syrer für Eklat

Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit einer umstrittenen Äußerung für Aufsehen gesorgt, als er andeutete, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren könnten. Die Aussage fiel während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa und wurde später von beiden Politikern angesichts massiver Kritik aus den Reihen politischer Verbündeter und der Geflüchteten-Communities relativiert.

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In Deutschland leben derzeit fast eine Million Syrer – viele von ihnen flohen vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat. Eine Rückführung von etwa 800.000 Menschen wirft jedoch erhebliche Fragen zur Umsetzbarkeit und zu den humanitären Bedingungen auf.

Die Ankündigung kam erstmals bei einem gemeinsamen Auftritt von Merz und al-Scharaa zur Sprache. Der Kanzler präsentierte die 80-Prozent-Marke zunächst als realistisches Ziel und knüpfte sie an mögliche Fortschritte bei der Stabilisierung Syriens. Doch bereits am Dienstag rückte er von dieser Darstellung ab und betonte, die Zahl stamme von al-Scharaa und nicht von der deutschen Regierung.

Aus den Reihen von Merz' Koalition regte sich umgehend Widerspruch. Abgeordnete bezeichneten den Plan als unrealistisch und warnten davor, syrische Geflüchtete zu verunsichern – viele von ihnen haben in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland ein neues Leben aufgebaut. Einige besitzen inzwischen sogar die deutsche Staatsbürgerschaft, auch wenn die genauen Zahlen unklar bleiben. Aktuellen Daten zufolge leben rund 936.000 syrische Staatsangehörige in Deutschland, darunter über 700.000 Kriegsflüchtlinge.

Al-Scharaa widersprach später Merz' ursprünglicher Darstellung und bestritt, jemals eine 80-Prozent-Zielvorgabe gemacht zu haben. Stattdessen betonte er, dass etwaige Rückführungen freiwillig und unter würdigen Bedingungen erfolgen müssten. Zudem schlug er vor, dass großangelegte westliche Investitionen in Syrien durch Arbeitsplatzschaffung und Infrastrukturaufbau Anreize für eine Rückkehr schaffen könnten.

Als Reaktion auf die Kontroverse passte das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung seine offizielle Stellungnahme behutsam an. In der überarbeiteten Version wurde hervorgehoben, dass die 80-Prozent-Angabe al-Scharaas Wünsche widerspiegle – nicht jedoch eine verbindliche deutsche Politik.

Die Debatte lässt Merz' ursprüngliche Zusagen nun fragwürdig erscheinen, ohne dass sich ein klarer Weg für großangelegte Rückführungen abzeichnet. Syrische Geflüchtete in Deutschland bleiben verunsichert, während offizielle Stellen betonen, dass mögliche Rückkehrprogramme von der Stabilität Syriens und der freiwilligen Entscheidung der Betroffenen abhängen. Der Vorfall unterstreicht die Herausforderungen, diplomatische Beziehungen mit den Realitäten der Integration von Geflüchteten in Einklang zu bringen.

Quelle