04 April 2026, 12:05

Joey Skaggs' geniale Aprilscherze entlarven die Leichtgläubigkeit der Medien seit Jahrzehnten

Zeichnung eines Mannes in Zylinder und Frack vor einer Menge, mit einem Pfahl und einem Zaun im Hintergrund und dem Text "Aprilscherz" unten.

Joey Skaggs' geniale Aprilscherze entlarven die Leichtgläubigkeit der Medien seit Jahrzehnten

Seit 1986 führt der Künstler Joey Skaggs jedes Jahr am 1. April die New Yorker Medien mit einer erfundenen Parade an der Nase herum. Seine ausgeklügelten Scherze stellen das öffentliche Vertrauen auf die Probe und hinterfragen, was die Menschen für wahr halten. Die diesjährige Veranstaltung verspricht einen satirischen Umzug, angeführt von einem fiktiven Präsidenten, gefolgt von der Vorführung eines Mockumentary-Films und einer Lesung geschwärzter Namen aus den Epstein-Akten.

Skaggs ist mit seinen Streichen nicht allein. 1985 narrete Sports Illustrated seine Leser mit einer Geschichte über den mönchsgleichen Werfer Sidd Finch, der angeblich einen 270 km/h schnellen Fastball warf – obwohl er noch nie Baseball gespielt hatte. Selbst David Bowie beteiligte sich 1998 an der Tradition und veranstaltete eine Party für den nicht existierenden Schriftsteller William Boyd.

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Skaggs begann seine Karriere als ernsthafter Künstler, wurde aber zunehmend desillusioniert von der Heuchelei der Branche. In den 1970er-Jahren wandte er sich stattdessen Scherzen zu – mit Satire forderte er Autoritäten heraus und entlarvte die Leichtgläubigkeit der Medien. Sein Aprilscherz-Umzug, der jedes Jahr entlang der Fifth Avenue angekündigt wird, soll "das Recht der Öffentlichkeit feiern, Autoritäten ins Gesicht zu lachen". Frühere Themen waren unter anderem ein Donald-Trump-Doppelgänger-Wettbewerb und eine Y2K-Apokalypse-Party.

Doch der Umzug findet selten so statt, wie beworben. Dennoch sind über die Jahre immer wieder Fernsehteams und Marschkapellen erschienen – nur um festzustellen, dass keine große Parade stattfand. Skaggs verbringt Monate damit, gefälschte Pressemitteilungen zu verfassen, alte Zeitungsausschnitte mit absurden Behauptungen zu verweben. Selbst renommierte Medien wie die New York Times oder Wired sind auf seine Streiche hereingefallen und berichteten über gefälschte Promi-Unterstützungen oder komplett erfundene Ereignisse.

Seine Methoden erinnern an andere berühmte Fälschungen. 1985 erfand der Sports Illustrated-Autor George Plimpton die Figur Hayden "Sidd" Finch, einen Harvard-Abbrecher, der zum Baseball-Wunderkind wurde. Der Artikel beschrieb Finch als barfüßigen, meditierenden Werfer mit übernatürlichem Talent – obwohl er noch nie ein Spiel bestritten hatte. Die Leser glaubten die Geschichte, bis das Magazin den Scherz Wochen später aufdeckte.

Skaggs' Streiche haben jedoch einen tieferen Sinn als bloße Unterhaltung. Sie zwingen die Öffentlichkeit, Quellen zu hinterfragen und das, was sie als Wahrheit akzeptieren, kritisch zu prüfen. Die diesjährige Pressemitteilung greift dieses Thema auf und fordert die Teilnehmer auf, sich zu fragen: "Was ist real – und was nicht?"

Die Parade bleibt ein Test für Medienkompetenz und öffentliche Skepsis. Zwar gibt es keine offiziellen Aufzeichnungen darüber, wie viele Medien auf Skaggs' Fälschungen hereinfallen, doch seine Aktionen decken weiterhin Lücken in der Faktenprüfung auf. Von erfundenen Politikern bis zu fiktiven Sportlern zeigt diese Tradition, wie leicht sich Fiktion als Tatsache tarnen kann – besonders an einem Tag, der der Täuschung gewidmet ist.

Quelle