21 June 2026, 02:03

Wie Österreichs Schimpfkultur durch radikale Freundlichkeit herausgefordert wird

Der Karotte ohne den Stock: Klaus Eckel über radikale Freundlichkeit

Wie Österreichs Schimpfkultur durch radikale Freundlichkeit herausgefordert wird

Österreichs kreative Schimpfkultur – und wie man sie mit Radikalität überwindet

Österreich verfügt über einen beeindruckenden Wortschatz an Beleidigungen: Über 50 Begriffe für „Idiot“ zeugen von sprachlicher Kreativität – von „Dodel“ über „Wappler“ bis hin zu „Vollkoffer“. Im Land wird das Fluchen fast wie eine Art Kraftquelle oder gar als seelisches Yoga betrachtet.

Besonders auf der Südautobahn gelten Langsamfahrer auf der linken Spur als willkommener Energielieferant. Doch eine neue Buchautorin schlägt vor, solche Alltagsärger mit bewusster Freundlichkeit zu begegnen. So plant sie, einem lauten Telefonierer im Zug ein Hustenbonbon zu reichen oder einer gedrängelten Schlange in der Bäckerei für die unfreiwillige Akupressur-Massage zu danken.

Selbst wer ihr den Parkplatz wegnimmt, erhält Dank – schließlich trägt jeder zusätzliche Schritt zu ihrem Fitness-Tracker bei. Eigene Patzer bezeichnet sie schmunzelnd als „kognitive Minimalismus-Momente“. Der Titel ihres Werks, „Radikale Freundlichkeit“, wurde indes schon scherzhaft als verbotswürdig für Österreich vorgeschlagen.

Zum Vergleich: Isländer kennen über 50 Wörter für Schnee – die Österreicher scheinen dafür ebenso viele für Dummheit parat zu haben. Doch die Autorin verwandelt alltägliche Nervfaktoren in Chancen für Humor und Wohlwollen. Mit spielerischen Lösungen will sie den Stresspegel im Alltag senken – und stellt damit die österreichische Vorliebe für scharfzüngige Sprüche auf die Probe.

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