Weißes Ghost Bike in Zwintschöna mahnt zu mehr Verkehrssicherheit für Radfahrer
Tobias LangWeißes Ghost Bike in Zwintschöna mahnt zu mehr Verkehrssicherheit für Radfahrer
Ein weiß gestrichenes Ghost Bike steht nun am Friedrichsbad in Zwintschöna als stummer Mahnmal. Es erinnert an einen 64-jährigen Radfahrer, der im Juni vergangenen Jahres bei einem Zusammenstoß mit einem Auto ums Leben kam. Die Installation ist die erste ihrer Art in Sachsen-Anhalt und geht mit Forderungen nach dringenden Reformen der Verkehrssicherheit einher.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), Deutschlands größter Fahrradverband, kritisiert die Behörden scharf für ihr Versagen beim Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer. Bessere Infrastruktur und niedrigere Tempolimits hätten die Tragödie verhindern können, so der Verband.
Der tödliche Unfall ereignete sich am 20. Juni 2025 auf der Landesstraße 167 in der Nähe von Zwintschöna. Eine 56-jährige Autofahrerin stieß an der Kreuzung Reideburger Straße / Am Friedrichsbad mit dem Radfahrer zusammen. Auf der Strecke sind bis zu 100 km/h erlaubt – ein Limit, das der ADFC angesichts der vielen Radfahrer in der Gegend als rücksichtslos hoch bewertet.
Das Ghost Bike, das am 1. April 2026 enthüllt wurde, dient sowohl als Gedenkstätte als auch als Protestsymbol. Solche weiß gestrichenen Fahrräder finden sich weltweit an Orten, an denen Radfahrer getötet wurden, und sollen Autofahrer wie Politiker zum Handeln auffordern. Die lokale ADFC-Gliederung wirft der Straßenbauverwaltung Sachsen-Anhalts (LSBB) vor, durch den Verzicht auf dedizierte Radwege auf Landesstraßen fahrlässig zu handeln.
Um weitere Todesfälle zu verhindern, fordert der ADFC sofortige Änderungen: einen physisch abgetrennten Radweg entlang der Landesstraße 167, um Radfahrer vor dem schnellen Verkehr zu schützen, sowie eine Reduzierung des Tempolimits an der Unfallstelle auf 70 km/h. Langfristig unterstützt der Verband das Konzept Vision Zero – ein Verkehrssystem, das Todesfälle und schwere Verletzungen vollständig vermeiden soll.
Besonders auf ländlichen Straßen wie der Landesstraße 167 bestehe ein extremes Risiko, wenn Radfahrer den Platz mit hochmotorisiertem Verkehr teilen müssen, warnt der ADFC. Ohne Gegenmaßnahmen werde es weitere vermeidbare Unfälle mit tödlichem Ausgang geben.
Bisher ist das Ghost Bike am Friedrichsbad das einzige seiner Art in Sachsen-Anhalt. Doch seine Präsenz unterstreicht den dringenden Bedarf an sichereren Bedingungen für Radfahrer in der gesamten Region. Der ADFC setzt sich weiterhin für den Ausbau der Infrastruktur und strengere Geschwindigkeitskontrollen ein, um schwächere Verkehrsteilnehmer besser zu schützen.






