18 June 2026, 14:03

Warum sich kein schwuler Profifußballer in Deutschland traut – die Geschichte von Marcus Urban

Ist er schwul, Alda?

Warum sich kein schwuler Profifußballer in Deutschland traut – die Geschichte von Marcus Urban

Ehemaliger Nachwuchsfußballer Marcus Urban beendet Karriere nach Druck, seine Homosexualität zu verheimlichen

Marcus Urbans Geschichte zeigt die anhaltenden Herausforderungen, mit denen schwule Spieler im deutschen Fußball konfrontiert sind. Seit Thomas Hitzlsperger im Jahr 2014 hat sich kein Profifußballer in Deutschland mehr geoutet.

Hitzlsperger gab 2014 nach seinem Karriereende öffentlich bekannt, schwul zu sein. Seine Offenbarung sorgte für großes Aufsehen – sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte ihm öffentlich. Doch selbst sein ehemaliger Nationaltrainer Joachim Löw hatte ihm zuvor davon abgeraten, sich während seiner aktiven Zeit zu outen, aus Sorge vor öffentlicher Kritik und möglichen Auswirkungen auf seine Leistung.

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Urbans Erlebnisse spiegeln ein tieferliegendes Problem im Fußball wider. Später initiierte er eine Kampagne für einen Coming-Out-Day im Jahr 2024, doch kein aktiver Profispieler beteiligte sich. Christian Dobrick, Jugendtrainer beim FC St. Pauli, wies darauf hin, dass schwule Fußballer oft Schwierigkeiten haben, an die Spitze zu gelangen, weil sie Energie in nicht sportbezogene Probleme stecken müssen.

Die Fußballkultur ist oft alles andere als einladend. Wettbewerb und die Atmosphäre in den Umkleidekabinen schaffen mitunter ein feindseliges Klima für schwule Spieler, das manche talentierte Athleten dazu bringt, ihre Karriere aufzugeben. Auch Agenten, Trainer und Berater tragen dazu bei, indem sie Spieler davon abhalten, sich zu outen – aus Angst, dies könnte ihren Marktwert mindern. Schätzungen zufolge gibt es in den beiden höchsten deutschen Ligen etwa 45 schwule Spieler, doch keiner von ihnen hat sich bisher öffentlich geoutet.

Trotz früherer prominenter Fälle gibt es im deutschen Profifußball nach wie vor keine geouteten schwulen Spieler. Kampagnen wie die von Urban konnten bisher keine anderen dazu bewegen, diesen Schritt zu wagen. Die Strukturen und die Kultur des Sports bleiben für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, sich zu outen, eine Hürde.

Quelle