Warum die Weimarer Republik jahrelang um ihre Nationalflagge rang
Die Weimarer Republik kämpfte jahrelang um ihre Nationalflagge
Die Debatte spaltete das Land: Während Konservative auf die alten kaiserlichen Farben pochten, verteidigten Republikaner die neue schwarz-rot-goldene Trikolore. Bis 1926 war der Streit so erbittert, dass selbst ein Präsidialerlass ihn nicht beilegen konnte.
Der Konflikt begann nach dem Ersten Weltkrieg, als die junge Republik Schwarz, Rot und Gold als offizielle Farben annahm. Viele auf der politischen Rechten lehnten diese ab und hielten stattdessen an Schwarz-Weiß-Rot des untergegangenen Deutschen Kaiserreichs fest. Die Nationalversammlung versuchte vergeblich, einen Kompromiss zu finden – die Nation blieb gespalten.
1926 schlug Reichskanzler Hans Luther – ein parteiloser Politiker – eine Lösung vor, nachdem die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) die Rückkehr zur Kaiserflagge gefordert hatte. Luthers Plan war kalkuliert: Er wusste, dass der Vorstoß die Linke und die Mitte provozieren würde, um sie hinter Schwarz-Rot-Gold zu einen. Reichspräsident Paul von Hindenburg erließ daraufhin am 5. Mai 1926 die Zweite Flaggenverordnung. Sie verfügte, dass diplomatische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben als auch die Handelsflagge hissen sollten – letztere trug noch immer das alte kaiserliche Farbschema.
Auch der Versuch, eine einheitliche Reichsflagge zu entwerfen, scheiterte. Edwin Redslob, der Reichskunstwart, schlug ein kühnes Design vor – rote und gelbe Viertel mit einem schwarzen Kreuz –, doch es fand keine Unterstützung. Der Streit zog sich ungelöst und verbittert bis 1933 hin.
Deutschland war mit solchen Konflikten nicht allein. Auch Frankreich, Kanada und das Vereinigte Königreich hatten ihre eigenen Flaggenstreitigkeiten durchlebt, die jeweils tiefe gesellschaftliche Gräben widerspiegelten.
Der Flaggenkonflikt offenbarten die Brüche in der Weimarer Republik. Konservative und Republikaner blieben in unversöhnlicher Opposition gefangen, unfähig, sich auf ein Symbol für ihre Nation zu einigen. Selbst Hindenburgs Erlass konnte die Kluft nicht überbrücken – der Streit blieb bis zum Ende der Republik ungelöst.






