Tarifstreit in Chemie- und Pharmabranche: Arbeitsplätze vs. Wettbewerbsfähigkeit
Marie GüntherTarifstreit in Chemie- und Pharmabranche: Arbeitsplätze vs. Wettbewerbsfähigkeit
Tarifverhandlungen für Deutschlands Chemie- und Pharmabranche unterbrochen
Nach zwei Verhandlungstagen sind die Lohngespräche für die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie vorerst vertagt worden. Die Gespräche, an denen 1.700 Unternehmen und 585.000 Beschäftigte beteiligt sind, werden am 23. Februar in Wiesbaden fortgesetzt. Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Frage, wie die Last der anhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase der Branche verteilt werden soll.
Die Gewerkschaft IGBCE pocht auf verbindliche Vereinbarungen zum Arbeitsplatzschutz, die über reine Lohnerhöhungen hinausgehen. Die Arbeitgeber hingegen argumentieren, dass die Unternehmen Entlastung benötigen, um sich nach Jahren des Rückgangs zu erholen.
Branche in der Krise: Produktion eingebrochen, Werke stillgelegt
Matthias Bürk, Verhandlungsführer der Arbeitgebervereinigung BAVC, warnte vor einer tiefgreifenden Krise der Branche. Seit 2018 sei die Produktion um ein Fünftel zurückgegangen, jedes vierte Werk stehe mittlerweile still. Angesichts jahrelanger Verluste gebe es schlicht keine Gewinne mehr, die verteilt werden könnten.
Bürk forderte eine vorübergehende Entlastung bei den Lohnkosten, um den Unternehmen Luft zum Durchatmen zu verschaffen. Arbeitsplatzsicherheit hänge nicht allein von Tarifverträgen ab, sondern davon, dass die Wettbewerbsfähigkeit wiederhergestellt werde. Während Deutschlands Chemie- und Pharmaproduktivität seit 2018 stagniert oder sogar gesunken ist, haben die USA und China deutlich zugelegt: Die USA durch biotechnologische Innovationen wie die mRNA-Technologie, China durch eine jährliche Produktionssteigerung von 8 bis 10 Prozent. Deutschlands globaler Marktanteil ist derweil von etwa 8 auf unter 7 Prozent gesunken – belastet durch hohe Energiekosten und strenge Regulierungen.
Union fordert Jobgarantien, Arbeitgeber setzen auf Wettbewerbsfähigkeit
Die Gewerkschaft besteht auf konkrete Maßnahmen zum Erhalt von Arbeitsplätzen, doch Bürk entgegnete, dass Stabilität nur durch gestärkte Wettbewerbsfähigkeit erreicht werden könne. Die Lage sei kritisch, und es gebe keine einfachen Lösungen.
Die Verhandlungen werden Ende dieses Monats wiederaufgenommen – beide Seiten stehen unter Druck, einen Kompromiss zu finden. Während die Arbeitgeber Flexibilität für den Wiederaufbau fordern, verlangen die Beschäftigten Schutz vor Stellenabbau. Das Ergebnis wird die Zukunft einer Branche prägen, die mit harter globaler Konkurrenz und schrumpfender inländischer Produktion kämpft.






