Stada-Übernahme 2017: Neue Urteile und Millionenforderungen erschüttern Pharmakonzern
Tobias LangStada-Übernahme 2017: Neue Urteile und Millionenforderungen erschüttern Pharmakonzern
Jahrealter Rechtsstreit um die Stada-Übernahme 2017 nimmt neue Wendung
Der seit Jahren schwelende juristische Konflikt um die Übernahme des Pharmakonzerns Stada im Jahr 2017 hat eine weitere Entwicklung genommen. Ehemalige Aktionäre verfolgen weiterhin Forderungen nach zusätzlichen Entschädigungszahlungen – mittlerweile liegen 44 Klagen beim Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) vor. In einem aktuellen Urteil wies das Gericht eine Berufung der Nidda GmbH, eines an der Übernahme beteiligten Unternehmens, zurück. Die Richter urteilten, Nidda habe bösgläubig gehandelt, indem es geltend machte, die Ansprüche seien verjährt.
Unterdessen haben sich die beiden Private-Equity-Investoren Bain Capital und Cinven nach acht Jahren aus ihrem Engagement bei Stada zurückgezogen. Neuer Mehrheitseigner ist nun die Beteiligungsgesellschaft CapVest Partners, die 68 Prozent der Anteile hält.
Hintergrund: Streit um faire Abfindung Der Rechtsstreit geht auf die Übernahme Stadas durch Bain Capital und Cinven im Jahr 2017 zurück. Damals boten die Finanzinvestoren im Rahmen eines öffentlichen Übernahmeangebots – genehmigt von der deutschen Finanzaufsicht BaFin – 65,06 Euro pro Aktie. Ehemalige Aktionäre bestehen jedoch auf eine höhere Vergütung: Ihnen zufolge stand ihnen ein garantierter Mindestpreis von 74,40 Euro pro Aktie zu.
Ein in Luxemburg ansässiger Vermögensverwalter klagt nun auf die Differenz in Höhe von rund 4,7 Millionen Euro. Ein weiterer Privatanleger fordert zusätzlich 140.000 Euro zuzüglich Zinsen seit Ende August 2017. Sowohl der Bundesgerichtshof (BGH) als auch das OLG hatten in früheren Urteilen den Klagenden recht gegeben und bestätigt, dass die Aktionäre zu niedrig entschädigt wurden.
Gericht weist Verjährungseinwand zurück Erst kürzlich lehnte das OLG eine Berufung der Nidda GmbH ab, die am Übernahmeprozess beteiligt war. Die Richter entschieden, dass die Ansprüche nicht verjährt seien und Nidda zu Unrecht versucht habe, die Entschädigungszahlungen durch den Verweis auf die Verjährungsfrist zu blockieren. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, sodass weitere Rechtsmittel möglich bleiben.
Neue Eigentümerstruktur bei Stada Auf der Unternehmensebene haben Bain Capital und Cinven ihren gemeinsamen Anteil auf 31 Prozent reduziert. CapVest Partners übernimmt mit 68 Prozent die Mehrheit, während die Stada-Führung die verbleibenden 1 Prozent hält. Damit endet für die beiden Investoren eine achtjährige Besitzphase.
Ausblick: Millionenforderungen und strategische Neuausrichtung Die jüngsten OLG-Entscheidungen ebnen ehemaligen Aktionären den Weg, weitere Zahlungen einzuklagen. Sollten die Urteile Bestand haben, könnten Ausgleichszahlungen in Millionenhöhe fällig werden. Für Stada markiert der Eigentümerwechsel unter CapVest den Beginn einer neuen Ära, während Bain und Cinven ihr langjähriges Engagement beenden.






