SAP in der Kritik: Lieferketten-Compliance nur gegen Aufpreis?
SAP steht in der Kritik wegen seines Umgangs mit der Unterstützung von Kunden bei der Einhaltung des deutschen Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetzes (LkSG). Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) wirft dem Softwarekonzern vor, bezahlte Zusatzmodule für die Compliance zu bewerben, statt notwendige Werkzeuge in die Standardwartung zu integrieren. Das Gesetz, das im Januar 2023 in Kraft trat, verpflichtet große Unternehmen, Risikomanagementsysteme für ihre Lieferketten einzuführen.
Das LkSG gilt zunächst für Firmen mit mehr als 3.000 Beschäftigten, doch ab 2024 sinkt diese Grenze auf 1.000 Mitarbeiter. Eine zentrale Anforderung ist der Aufbau eines Risikomanagementsystems sowie regelmäßige Risikobewertungen. SAP bewirbt seine Lösungen Ariba Supplier Risk und SAP Business Network als kostenneutrale Optionen für bestehende Kunden, um diese Verpflichtungen zu erfüllen. Das Unternehmen betont jedoch, dass Ariba Supplier Lifecycle and Performance für die Compliance nicht zwingend erforderlich sei.
Die DSAG argumentiert, SAP solle sich an seinem früheren Vorgehen bei der DSGVO orientieren, wo Compliance-Tools wie SAP Information Lifecycle Management (ILM) in die Standardwartung aufgenommen wurden. Die Anwendergruppe besteht darauf, dass Unternehmen nicht extra für unverzichtbare Funktionen zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zahlen sollten. SAP hingegen hält daran fest, dass seine bestehenden Ariba-Produkte bereits die LkSG-Berichtspflichten abdecken – ohne zusätzliche Kosten für aktuelle Nutzer.
Der Streit dreht sich um die Frage, ob Compliance-Tools in die SAP-Standardleistungen integriert oder als separate Lösungen verkauft werden sollten. Unternehmen mit weniger als 3.000 Mitarbeitern sind vom LkSG vorerst nicht betroffen, doch die Ausweitung des Gesetzes im nächsten Jahr wird weitere Firmen in den Geltungsbereich einbeziehen. Die Haltung von SAP und die Einwände der DSAG verdeutlichen die anhaltenden Spannungen darüber, wie Softwareanbieter mit regulatorischen Anforderungen umgehen.






