07 May 2026, 12:11

Philipp Graf enthüllt das verleugnete jüdische Erbe Halberstadts und die DDR-Lügen

Luftaufnahme des Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin, die zahlreiche weiße und blaue Betonsteine in einem Gittermuster zeigt.

Philipp Graf enthüllt das verleugnete jüdische Erbe Halberstadts und die DDR-Lügen

Ein neues Buch von Philipp Graf untersucht die vergessene Geschichte der jüdischen Gemeinde Halberstadts und das Scheitern der antifaschistischen Ideale der DDR. „Verleugnetes Erbe“ zeichnet nach, wie das einst blühende neo-orthodoxe Zentrum der Stadt zwischen 1938 und 1942 systematisch zerstört wurde. Die Arbeit stellt zudem den antifaschistischen Anspruch der DDR infrage und argumentiert, dass diese ihre eigene Mittäterschaft an Antisemitismus und Autoritarismus nie vollständig aufarbeitete.

Die jüdische Gemeinde Halberstadts, einst ein zentraler Knotenpunkt des neo-orthodoxen Judentums, wurde während der NS-Zeit ausgelöscht. Die Vernichtung begann 1938 mit der Sprengung der Synagoge – ein Ereignis, das der Historiker Martin Gabriel als Beginn ihrer Tilgung markiert. Bis 1942 war die Gemeinde vernichtet, ihre Mitglieder ermordet oder in die Emigration getrieben.

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Nach dem Krieg wurde das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt in eine Gedenkstätte umgewandelt. 1949 eingeweiht, ehrte sie zunächst die Opfer von Zwangsarbeit, doch 1969 wurde ihre Gestaltung verändert, um als Ort für staatlich inszenierte Treuegelöbnisse zu dienen. Unter der Anlage lagen unmarkierte Gräber von Häftlingen. Ein Jahrzehnt nach der Befreiung des Lagers wurden die unterirdischen Tunnel als militärisches Depot für die Nationalen Volksarmee der DDR zweckentfremdet.

Grafs Buch „Verleugnetes Erbe“ erschließt diese vielschichtige Geschichte anhand von Archiven, Interviews und Literatur. Es deckt auf, wie der offizielle Antifaschismus der DDR die spezifische Verfolgung der Juden oft ignorierte und ihr Leid auf einen abstrakten, übergeordneten Kampf reduzierte. Die Arbeit führt Beispiele unterdrückten jüdischen Kulturguts an – von Schallplatten der jiddischen Sängerin Lin Jaldati bis zu Romanen von Peter Edel und Jurek Becker.

Das Buch enthält zudem ein Vorwort der Historikerin Yfaat Weiss sowie eine ausführliche annotierte Bibliografie. Graf plädiert dafür, sowohl rechtsextremen als auch linksextremen Autoritarismus – und ihre gemeinsamen antisemitischen Untertöne – mit präzisen analytischen Instrumenten zu untersuchen. Andernfalls, warnt er, drohten die Lehren der Geschichte verzerrt oder vergessen zu werden.

Grafs Forschung legt die Lücken in der historischen Erzählung der DDR offen, insbesondere ihr Versäumnis, das volle Ausmaß der Judenverfolgung anzuerkennen. „Verleugnetes Erbe“ ist zugleich eine Dokumentation der verlorenen Gemeinde Halberstadts und ein Appell, kritisch zu hinterfragen, wie autoritäre Regime das Gedächtnis manipulieren. Das Buch ist nun mit ergänzendem Material für vertiefende Studien erhältlich.

Quelle