NDR kämpft um Enthüllungen: Der ungelöste Fall Julian Reichelt
Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt geht in ein vollwertiges Gerichtsverfahren. Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender NDR setzt sich dafür ein, die zensierten Passagen seines Berichts aus dem Jahr 2023 wiederherzustellen, in dem Reichelt Fehlverhalten vorgeworfen wurde. Der Fall, der vor fast fünf Jahren von Der Spiegel erstmals aufgedeckt wurde, ist bis heute ungeklärt.
Im Februar 2023 strahlte das ARD-Format Reschke Fernsehen einen Beitrag aus, in dem Reichelt vorgeworfen wurde, Affären mit Untergebenen gehabt und Frauen zu sexuellen Beziehungen gedrängt zu haben. Reichelt wies die Anschuldigungen zurück und stellte sich als Opfer einer politischen Verleumdungskampagne dar. Er erwirkte eine einstweilige Verfügung, die die ARD zwang, zentrale Abschnitte der Sendung zu schwärzen.
Die ursprüngliche Sendung ist inzwischen aus der ARD-Mediathek verschwunden, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Dennoch treibt der NDR den Fall voran und plant, Zeugen zu laden – darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung genötigt. Der Sender bleibt hartnäckig, obwohl das deutsche Justizsystem für seine Langsamkeit bekannt ist und Presserechtsverfahren oft jahrelang andauern.
Während der internen Untersuchungen bei Axel Springer sollen mehrere Frauen, die sich äußerten, berufliche Konsequenzen erlebt haben. Die Art und Weise, wie das Unternehmen mit dem Fall umgegangen ist, wurde kritisiert, doch eine abschließende Klärung steht weiterhin aus.
Da der NDR den Fall nun zu einem vollständigen Verfahren eskaliert, wird der juristische Streit um den geschwärzten Bericht weitergehen. Das Ergebnis könnte entscheiden, ob die zensierten Vorwürfe wieder öffentlich werden. Vorerst bleibt der Konflikt einer der am längsten schwelenden Medienskandale Deutschlands.






