Mittelständische Zulieferer in Baden-Württemberg kämpfen um ihre Zukunft im Automobilsektor
Noah KrügerMittelständische Zulieferer in Baden-Württemberg kämpfen um ihre Zukunft im Automobilsektor
Mittelständische Zulieferer in Baden-Württemberg kämpfen mit sinkenden Aufträgen und unberechenbaren Produktionsplänen. Diese Herausforderungen gefährden Investitionen in neue Technologien, Personal und Infrastruktur. Branchenvertreter fordern nun dringende Reformen, um die Zukunft der Region als zentraler Automobilstandort zu sichern.
Der Automobilcluster der wvib Schwarzwald AG hat ein Positionspapier veröffentlicht, das fairere Partnerschaften und bessere Rahmenbedingungen einfordert. Unterstützt von 53 Unterzeichnern, ruft das Papier Automobilhersteller und Politiker zum Handeln auf, bevor weitere Arbeitsplätze und Wohlstand verloren gehen.
Die Automobilbranche in Baden-Württemberg beschäftigt Tausende, doch rückläufige Produktion und instabile Nachfrage setzen die Zulieferer stark unter Druck. Bis 2025 wird ein Rückgang der Fahrzeug- und Teileexporte um 13,4 Prozent erwartet – bereits jetzt sind rund 25.000 Arbeitsplätze in der Branche abgebaut worden. Besonders betroffen sind Schlüsselregionen wie Stuttgart, wo Mercedes-Benz, Porsche und Bosch ansässig sind, sowie Waiblingen, Standort eines großen Bosch-Werks.
Hanna Böhme, Geschäftsführerin der wvib Schwarzwald AG, betonte, dass der Erhalt der Branche von zwei Faktoren abhängt: einer engeren Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Zulieferern sowie verlässlichen politischen Weichenstellungen. Sie forderte wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren und eine gesicherte Fachkräfteversorgung. Ohne diese Maßnahmen drohe der Region der Verlust ihrer Technologieführerschaft, warnte sie.
Das Positionspapier des Automobilclusters appelliert an die Automobilkonzerne, langfristigere Planungen und fairere Verträge vorzulegen. Die Zulieferer befürworten zwar eine CO₂-Bepreisung als Innovationsmotor, benötigen aber Planungssicherheit, um in Elektromobilität und neue Technologien zu investieren. Unvorhersehbare Produktionspläne und kurzfristige Auftragsänderungen machen es mittelständischen Unternehmen nahezu unmöglich, langfristig zu planen.
Neben brancheninternen Reformen treibt die wvib Schwarzwald AG die Kampagne "Deutschland kann mehr" voran, um die Standortbedingungen grundlegend zu verbessern. Ziel ist es, die globale Wettbewerbsfähigkeit der Branche durch niedrigere Energiekosten, weniger Bürokratie und gezielte Forschungsförderung zu stärken. Die Politik sei gefordert, durch Abbau von Regulierungslasten und Unterstützung der Wissenschaft die Spitzenposition der Region zu sichern, heißt es im Papier.
Das Positionspapier formuliert konkrete Forderungen an Hersteller und Politik, um weitere Jobverluste und wirtschaftlichen Niedergang zu verhindern. Die Zulieferer verlangen planbare Aufträge, faire Partnerschaften sowie politische Maßnahmen, die Kosten senken und Innovation beschleunigen. Ohne diese Veränderungen steht die Automobilindustrie in Baden-Württemberg – mit über 10.000 Unternehmen – vor einer ungewissen Zukunft.