Lahav Shani und Münchens ambivalente Begrüßungskultur zwischen Tradition und Weltoffenheit
Marie GüntherLahav Shani und Münchens ambivalente Begrüßungskultur zwischen Tradition und Weltoffenheit
Lahav Shani hat die Leitung der Münchner Philharmoniker als neuer Musikdirektor übernommen. Seine Ankunft hat eine Debatte darüber ausgelöst, wie die Stadt internationale Künstler willkommen heißt. Zwar gibt sich München weltoffen, doch sein Ansatz besteht oft darin, ausländische Einflüsse mit lokalen Traditionen zu verbinden, statt sich uneingeschränkt auf Multikulturalismus einzulassen.
Statt einer kosmopolitischen Begrüßung wird Shani mit einem bayerischen "Servus!" beworben – eine Entscheidung, die zeigt, wie die Stadt neue Persönlichkeiten in ihre eigene kulturelle Identität einbindet.
Münchens Verhältnis zu ausländischen Künstlern war schon immer ambivalent. Im 19. Jahrhundert machte König Ludwig I. die Stadt zu einem Kunstzentrum und lud Persönlichkeiten wie den Komponisten Peter Cornelius ein. Doch es gab auch Widerstand: Die Künstlergruppe "Der Blaue Reiter" wurde von Jurys abgelehnt, und die Nationalsozialisten diffamierten später moderne Werke als "entartet". Selbst Mozart wurde 1780 trotz seines Interesses eine Stelle in der Hofkapelle verweigert.
In jüngerer Zeit setzt die Stadt eher auf Assimilation als auf offene Multikulturalität. Als Simon Rattle zu den Berliner Philharmonikern stieß, begrüßte ihn die Hauptstadt mit einem herzlichen "Willkommen!" – ein Kontrast zu Münchens Vorliebe, Neuzugänge in den "Bayernkult" einzubetten. Shanis "Servus"-Kampagne folgt diesem Muster: Statt einer universellen Begrüßung wird ein regionaler Begriff gewählt. Selbst Ministerpräsident Markus Söder lässt sich gelegentlich einen "Söder-Döner" schmecken – ein Symbol für kulturelle Vermischung, aber keine vollständige Feier der Vielfalt.
Die verpasste Chance, Shani mit "Schalom" zu begrüßen – ein Zeichen, das Münchens Offenheit hätte unterstreichen können –, verdeutlicht diese Spannung. Stattdessen lenkt die Wahl von "Servus" den Fokus auf die bayerische Tradition und zeigt, wie die Stadt äußere Einflüsse auf ihre eigene Art aufnimmt.
Shanis Einführung als Musikdirektor spiegelt Münchens allgemeine Kulturstrategie wider. Der Einsatz von "Servus" durch das Orchester steht in einer Tradition, die ausländische Talente integriert, ohne die lokalen Bräuche aufzugeben. Vorerst bleibt die Stadt damit in der Balance zwischen Weltoffenheit und einer festen Verwurzelung im eigenen Erbe.






