Kölner Stadtarchiv: Zehn Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen
Marie GüntherKölner Stadtarchiv: Zehn Jahre nach dem Einsturz bleibt die Wunde offen
Zehn Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs während des U-Bahn-Baus bleibt die Stelle eine Narbe im Stadtbild. Die Katastrophe von 2009 verschüttete 1,7 Millionen historische Dokumente und forderte zwei Menschenleben in benachbarten Gebäuden. Seither prägen juristische Auseinandersetzungen, öffentliche Empörung und zähe Fortschritte die Aufarbeitung des Unglücks.
Der Einsturz ereignete sich, als Arbeiter Tunnel für die Nord-Süd-U-Bahn-Linie gruben. Mangelnde Aufsicht durch die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die mit derartigen Projekten kaum Erfahrung hatten, führte zu schwerwiegenden Fehlern. Stützkonstruktionen wurden gestohlen, Bauprotokolle gefälscht, und die Baustelle versank im Chaos.
Zwei junge Männer starben, als ihre Häuser in sich zusammenstürzten. Die juristischen Folgen zogen sich jahrelang hin und endeten mit einer Mischung aus Verurteilungen, Freisprüchen und Geldstrafen. Unterdessen brachte die Stadt 2022 mit Klage in acht Tafeln eine visuelle Hommage am Bauzaun an.
Bis 2023 wurden Teile der Fläche mit Beton verfüllt, doch weite Bereiche bleiben eine öde Landschaft aus Sandhügeln und wildem Gestrüpp. Aktivist:innen der Initiative ArchivKomplex fordern Mitsprache bei der Neugestaltung und eine würdige Form des Gedenkens. Trotz der Verzögerungen schreiten die Arbeiten an der U-Bahn-Linie voran – die neue Strecke soll die Fahrzeit um acht Minuten verkürzen.
Das Erbe der Katastrophe wirkt nach, sowohl in der unvollendeten Baustelle als auch im kollektiven Gedächtnis. Die juristischen Verfahren sind abgeschlossen, doch die Debatten darüber, wie man der Vergangenheit gerecht wird und die Zukunft gestaltet, sind noch nicht beendet. Vorerst bleibt das eingestürzte Archiv eine mahende Erinnerung an das, was verloren ging.






