Holzingers radikales Pfingstspektakel vereint Aktionismus und weibliche Rebellion
Noah KrügerHolzingers radikales Pfingstspektakel vereint Aktionismus und weibliche Rebellion
Florentina Holzinger präsentiert ein kühnes Pfingstspektakel im Wiener Eislaufverein – eine Verschmelzung von extremer Performancekunst und Hightech
Mit einer radikal-inszenierten Pfingstperformance im Wiener Eislaufverein setzte Florentina Holzinger dem provokanten Erbe Hermann Nitschs ein Denkmal – und feierte zugleich weibliche Emanzipation in atemberaubenden, visuell überwältigenden Bildern.
Den Auftakt bildete eine nackte Frau, die an der Fassade des Hotels Intercontinental hinabglitt – eine Hommage an Trisha Browns ikonische Choreografie. Im Inneren des Veranstaltungsorts entfaltete Holzinger mit ihrem rein weiblichen Ensemble ein scheinbar chaotisches, doch präzise kalkuliertes Spektakel, in dem Autos, ein Motorrad und sogar ein Monstertruck zu Verlängerungskörpern der Performerkörper wurden.
Im Innenhof von Schloss Prinzendorf, Nitschs geistiger Wirkungsstätte, inszenierte die Truppe ein „Letztes Abendmahl“: Als der verstorbene Künstler verkleidet, ließen sich die Darstellerinnen Haken durch die Haut ziehen. Das Publikum, an den Schauplatz gebracht, erlebte eine Symbiose aus Brutalität und Anmut, die ihren Höhepunkt in Holzinger und ihren „Jüngerinnen“ fand – schwebend in der Luft, sanft hin- und herwiegt.
Einer der prägnantesten Momente: Ein Monstertruck zermalmte einen Panzer, dessen Trümmer eine Fallschirmspringerin mit Taubenhelm durch das Pflanzen einer weißen Fahne markierte – ein symbolischer Appell für Frieden. Zuvor hatten Drohnen über einer gekreuzigten Performerin geschwebt und rotes Pigment versprüht, eine direkte Anspielung auf Nitschs „Malaktionen“. Die Aufführung verband rohe Körperlichkeit mit technischer Präzision und hinterließ ein unauslöschliches Bild.
Holzingers Werk sprengte die Grenzen des Wiener Aktionismus, webte Nitschs Einfluss in ein zeitgenössisches Statement über Macht und Widerstand. Das finale Bild – schwebende Körper in stiller Schwebe – bildete einen radikalen Kontrast zum vorangegangenen Tumult und unterstrich die dualen Themen der Produktion: Zerstörung und Transzendenz.






