03 April 2026, 06:04

Hitzige Debatte auf dem Münchner Kooperationsgipfel: Apothekenfinanzierung spaltet Branche

Plakat mit der Aufschrift "Senken der Arzneimittelkosten unter der Biden-Harris-Regierung" und einem Logo, wahrscheinlich mit Bezug zu politischen Informationen.

Hitzige Debatte auf dem Münchner Kooperationsgipfel: Apothekenfinanzierung spaltet Branche

Scharfe Kontroverse auf dem Kooperationsgipfel in München zwischen Redcare-Chef und Apothekerkammer-Präsidentin

Auf dem Kooperationsgipfel in München ist es zu einer hitzigen Debatte zwischen Olaf Heinrich, Vorstandsvorsitzendem von Redcare, und Dr. Ina Lucas, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin, gekommen. Im Mittelpunkt des Streits standen die Finanzierung von Apotheken, Rezeptboni und die künftige Rolle der Vor-Ort-Apotheken in der Patientenversorgung.

Dr. Lucas bezeichnete Versandapotheken als "viel zu teuer" für die Bereitstellung essenzieller Therapieunterstützung und betonte, dass lokale Apotheken für diese Aufgabe besser gerüstet seien. Der Konflikt eskalierte, als Lucas darauf bestand, dass Apotheken seit Langem unterbezahlt würden. Sie forderte eine überfällige Erhöhung der Vergütung um 9,50 Euro und kritisierte, dass die Branche viel zu lange auf eine faire Bezahlung warten müsse. Ohne angemessene Finanzierung, so ihre Warnung, sei eine flächendeckende Patientenbetreuung nicht aufrechtzuerhalten.

Zudem rügte Lucas die bisherige Zurückhaltung der Apotheker: "Wir haben viel Gutes geleistet, aber selten unsere Stimme erhoben." Diese Geduld sei nun am Ende, betonte sie – lokale Apotheken seien unverzichtbar für die Therapiebegleitung, eine Aufgabe, die Versandapotheken ihrer Ansicht nach nicht erfüllen könnten.

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Olaf Heinrich konterte mit einer Verteidigung des Rezeptbonus-Modells von Redcare und verwies auf das Vorrang europäischer Gesetze vor nationalen Regelungen. Er bestritt, dass es aktuelle einstweilige Verfügungen gegen das bestehende System gebe, und erklärte: "Es gibt keine einstweiligen Verfügungen, die sich auf unser aktuelles Bonusmodell beziehen." Zudem berichtete Heinrich von Testkäufen, bei denen Kurierdienste Medikamententüten einfach vor Nachbartüren abgestellt hätten – ein Vorgehen, das Bedenken hinsichtlich der Einhaltung der Kühlkette aufwerfe.

Grundsätzlich begrüßte Heinrich zwar eine Erhöhung der Vergütung, zweifelte jedoch an, dass dies das bestehende Apothekennetz retten werde. Ein Drittel der Vor-Ort-Apotheken sei bereits jetzt nicht mehr wirtschaftlich tragfähig, warnte er, und eine Debatte über Strukturveränderungen sei unvermeidbar. Zwar lehnte er die Reduzierung von Apotheken auf reine Logistikdienstleister ab, doch schlug er vor, dass größere Betriebe möglicherweise eine bessere Versorgung bieten könnten als kleine lokale Apotheken.

Die Auseinandersetzung offenbart tiefe Gräben in der Frage der Apothekenfinanzierung und der Dienstleistungserbringung. Während Dr. Lucas höhere Gebühren fordert, um die Vor-Ort-Apotheken zu erhalten, pocht Heinrich auf marktwirtschaftliche Realitäten und rechtliche Rahmenbedingungen. Wie Patienten künftig Zugang zu Medikamenten und Betreuung erhalten, könnte maßgeblich von diesem Konflikt abhängen.

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