Hamburg streicht lebenswichtige medizinische Hilfe für unversicherte Migranten
Noah KrügerHamburg streicht lebenswichtige medizinische Hilfe für unversicherte Migranten
Migranten ohne Krankenversicherung in Hamburg erhalten seit Mitte Mai 2023 keine lebensnotwendige medizinische Behandlung mehr. Der Notfallfonds der Stadt, einst eine Rettungsleine für Menschen in akuten Notsituationen, ist leer – nachdem die rückwirkende Finanzierung in diesem Jahr eingestellt wurde.
Die Clearingstelle im Hamburger Flüchtlingszentrum hatte bisher unversicherten Personen den Zugang zu medizinischer Versorgung ermöglicht oder dringende Behandlungskosten über kommunale Mittel übernommen. Allein 2024 bewilligte sie für 678 von 781 Antragstellern Hilfen und gab rund 718.000 Euro für Behandlungen und Medikamente aus. Dennoch war das Programm schon lange unterfinanziert.
Der Senat betont, die Clearingstelle arbeite auf freiwilliger Basis, und ihre Zukunft hänge von Haushaltsentscheidungen ab. Da keine neuen Mittel bereitgestellt wurden, gibt es für den Rest des Jahres keine weitere Unterstützung. Während ähnliche Netzwerke in Bremen, Hannover und Schleswig-Holstein unversicherte Migranten weiterhin unterstützen, ist das Hamburger System zum Erliegen gekommen.
Das lokale Gesundheitsnetzwerk Medinetz kritisiert die Sparmaßnahmen der Stadt scharf. Die Initiative fordert die sofortige Freigabe von Geldern und eine nachhaltige Finanzierung. Ohne Gegenmaßnahmen blieben viele Menschen unbehandelt, warnt sie. Der Internist Matthias Plieninger, Mitglied bei Medinetz, macht deutlich, dass nicht behandelte Erkrankungen zu schweren Folgeerkrankungen oder sogar zum Tod führen könnten.
Der Notfallfonds bleibt aufgebraucht, und für das restliche Jahr 2024 sind keine zusätzlichen Mittel zu erwarten. Medinetz drängt weiter auf eine langfristige Lösung und besteht darauf, dass die Stadt ihr Koalitionsabkommen einhalten und eine verlässliche Finanzierung für Bedürftige sicherstellen muss.
