Günther Jauch kauft Loriots legendäres Haus am Starnberger See – doch wo entstanden seine Sketche wirklich?
Tobias LangGünther Jauch kauft Loriots legendäres Haus am Starnberger See – doch wo entstanden seine Sketche wirklich?
Günther Jauch hat das ehemalige Domizil von Vicco von Bülow am Starnberger See erworben – jenes Haus, in dem der unter dem Künstlernamen Loriot weltbekannte Komiker angeblich viele seiner berühmtesten Werke schuf. Doch neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass einige seiner ikonischsten Sketche und Filme weit entfernt von der Idylle am See entstanden sind.
Vicco von Bülow, mit vollem Namen Bernhard Viktor Christoph Karl von Bülow, entstammte einem mecklenburgischen Adelsgeschlecht, dessen Wappen einen goldenen Pirol zierte – ein Vogel, der später zu seinem Bühnenpseudonym Loriot wurde. Bevor er als Filmkomiker Karriere machte, veröffentlichte er in den 1950er-Jahren humoristische Bücher wie "Der unentbehrliche Ratgeber für den Umgang in feiner Gesellschaft" und "Glücklich eingewickelt: Zwei Fachleute verraten 20 erprobte Liebestrick".
Sein filmischer Durchbruch gelang ihm 1988 mit "Ödipussi", dessen Dreharbeiten teilweise im Imperiale Palace Hotel in Santa Margherita Ligure stattfanden. An seiner Seite spielte Evelyn Hamann, seine langjährige Leinwandpartnerin seit 1976. Drei Jahre später folgte "Pappa ante Portas" (1991), doch die zentralen Szenen entstanden nicht am Starnberger See, sondern auf der Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern. Die Handlung beginnt mit der Entlassung von Heinrich Lohse aus dem Axel-Springer-Hochhaus – ein Ereignis, das eine Kette familiärer Missgeschicke auslöst.
Einer von Loriots bekanntesten Sketchen, "Zimmerverwüstung" (1976), zeigt, wie ein winziger Unfall in ein absolutes Chaos münden kann. Doch selbst bei diesem Klassiker gibt es Zweifel, ob er tatsächlich in seinem Haus am Starnberger See gedreht wurde. Einige Szenen könnten an anderen Orten entstanden sein – trotz der engen Verbindung des Anwesens mit seinem Schaffen.
Jauch, der sich bereits als Bewahrer kultureller Stätten einen Namen gemacht hat – etwa durch die Restaurierung des Marmorpalais in Potsdam –, könnte mit dem Kauf des Loriot-Hauses sowohl seine Bewunderung für das Erbe des Komikers zum Ausdruck bringen als auch den Wunsch, in der Nähe der Schauplätze seiner geliebten Sketche zu leben – selbst wenn nicht alle dort entstanden sind.
Der Verkauf verknüpft Jauch mit einem Stück deutscher Comedy-Geschichte. Zwar steht Loriots Haus am Starnberger See symbolisch für seine kreative Welt, doch vieles spricht dafür, dass viele seiner Werke an ganz anderen Orten entstanden. Nun geht das Anwesen in den Besitz eines neuen Eigentümers über, der seinen kulturellen Wert schätzt – ganz gleich, ob dieser nun legendär oder legendär überhöht ist.