Gefälschte Rechnungen bringen Apotheken in die Cyberangriff-Falle
Gefälschte Rechnungen zielen vermehrt auf Apotheken ab – Merck bestätigt Cyberangriffe als Ursache
Die Zahl gefälschter Rechnungen, die sich gezielt gegen Apotheken richten, nimmt besorgniserregend zu. Wie der Pharmakonzern Merck bestätigte, stecken hinter den Betrugsversuchen gezielte Cyberangriffe. Carolin Schleußinger, Inhaberin der Marien-Apotheke in Roding, fiel kürzlich auf eine scheinbar echte Rechnung über 25.000 Euro herein. Der Vorfall wirft Fragen nach dem Umgang des Unternehmens mit der Krise und seiner Kommunikation mit betroffenen Betrieben auf.
Im September erhielt Schleußinger eine Rechnung, die auf den ersten Blick authentisch wirkte – mit korrekten Angaben und einem vertrauten Absender. Da sie keinen Grund zum Zweifeln sah, überwies sie die geforderte Summe. Wochen später forderte Merck die Zahlung erneut an und erklärte, die erste Rechnung sei gefälscht gewesen und das Geld nie beim Unternehmen angekommen.
Die Apothekerin kritisiert, Merck habe es versäumt, die Betroffenen klar vor den Cyberangriffen zu warnen. Zwar wies das Unternehmen auf der Startseite seines Online-Shops darauf hin, Bankverbindungen zu prüfen, doch Schleußinger hält es für unzumutbar, dass Apotheken selbst die Verantwortung für die Erkennung von Betrug tragen sollen. Nach Rücksprache mit einem Anwalt stellte sich heraus, dass sie rechtlich nicht zur Begleichung der gefälschten Rechnung verpflichtet ist. Mittlerweile hat sie Anzeige bei der Polizei erstattet.
Merck räumte ein, dass in den vergangenen zwölf Monaten vermehrt gefälschte E-Mails an Apotheken verschickt wurden – Teil einer größeren Cyberangriffswelle. Wie viele deutsche Apotheken konkret betroffen sind, bleibt jedoch unklar, da weder das Unternehmen noch die Behörden genaue Zahlen nennen. Solche Fälle werden in der Regel vertraulich behandelt, was das Ausmaß des Problems verschleiert.
Schleußingers Fall zeigt, wie anfällig Apotheken für immer raffiniertere Betrugsmaschen sind. Die Reaktion von Merck, insbesondere die begrenzten öffentlichen Warnungen, stößt bei einigen Unternehmensinhabern auf Unverständnis. Gleichzeitig unterstreicht der Vorfall die Notwendigkeit strengerer Sicherheitsvorkehrungen bei der Prüfung von Lieferantenrechnungen.






