Expertenkommission schlägt radikale Reformen gegen Milliarden-Defizit im Gesundheitssystem vor
Johanna JägerExpertenkommission schlägt radikale Reformen gegen Milliarden-Defizit im Gesundheitssystem vor
Eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission hat weitreichende Reformen des Gesundheitssystems vorgeschlagen, um ein wachsendes Defizit in Milliardenhöhe zu bekämpfen. Ohne Änderungen droht dem System bis 2027 ein Fehlbetrag von 15 Milliarden Euro und bis zum Ende des Jahrzehnts von über 40 Milliarden Euro. Die Empfehlungen zielen darauf ab, die Kosten zu senken und gleichzeitig zusätzliche Einnahmen zu generieren.
Ein zentraler Vorschlag sieht vor, dass Patienten vor planbaren Knieoperationen eine zweite ärztliche Meinung einholen müssen. Daten zeigen, dass 85 Prozent derjenigen, die dies tun, anschließend auf den Eingriff verzichten – was potenziell Milliarden an unnötigen Operationen sparen könnte.
Die Kommission schlägt zudem vor, die Krankenversicherungsbeiträge für Bürger, die Grundsicherung erhalten, künftig aus Bundessteuermitteln zu finanzieren. Allein diese Maßnahme könnte rund 12 Milliarden Euro einsparen. Ärzte, Krankenhäuser sowie Hersteller von Pharmaprodukten und Medizintechnik würden durch gekürzte Erstattungen und Rabatte etwa 19 Milliarden Euro beisteuern. Eine Deckelung der Gehaltserhöhungen für Ärzte und die Einführung eines Herstellerrabatts auf Medikamente würden weitere 7,8 Milliarden Euro an Einsparungen bringen.
Patienten müssten höhere Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente leisten, was etwa 4 Milliarden Euro einbrächte. Gleichzeitig werden Versicherte und ihre Arbeitgeber im kommenden Jahr 260 Euro mehr zahlen, bis 2030 steigt dieser Betrag aufgrund steigender Gesundheitskosten auf 680 Euro.
Um zusätzliche Einnahmen zu erzielen, empfiehlt die Kommission eine schrittweise Erhöhung der Steuern auf Tabak und Alkohol. Zudem soll eine neue Zuckersteuer von 32 Cent auf zuckerhaltige Getränke erhoben werden.
Werden die Reformen vollständig umgesetzt, könnten sie dem Gesundheitssystem bereits im nächsten Jahr rund 42 Milliarden Euro und bis 2030 etwa 64 Milliarden Euro einsparen. Die Änderungen würden die Kosten neu zwischen Patienten, Leistungserbringern und Steuerzahlern verteilen und gleichzeitig das prognostizierte Defizit verringern. Nun muss die Regierung entscheiden, welche Maßnahmen sie übernehmen wird.






