Entwicklungspolitik am Scheideweg: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Mitsprache
Tobias LangEntwicklungspolitik am Scheideweg: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Mitsprache
Mathias Mogge von der Welthungerhilfe und Joshua Hofert von Terre des Hommes stellten am Mittwoch ihren Jahresrückblick zur deutschen Entwicklungspolitik vor. In ihrem Bericht weisen sie auf den wachsenden Druck hin, unter dem die Hilfsbemühungen aufgrund von Krisen, Kriegen und dem Klimawandel stehen. Beide Organisationen forderten dringende Reformen, um diesen Herausforderungen zu begegnen.
Die Nichtregierungsorganisationen begrüßten zwar die Pläne der Bundesregierung, die Entwicklungspolitik neu auszurichten, warnten jedoch, dass es an einer klaren Strategie fehle. Sie betonten, dass die Zivilgesellschaft eine zentrale Rolle bei der Gestaltung künftiger Veränderungen spielen müsse. Wirtschaftliche Zusammenarbeit könne nur dann funktionieren, wenn sie sich an lokalen Akteuren orientiere und die Spannungen zwischen deutschen Interessen und denen der Partnerländer anerkenne.
Mogge unterstrich, dass es nicht nur auf die Höhe, sondern vor allem auf die Qualität der Entwicklungshilfe ankomme. Er forderte weniger Bürokratie, einfachere Verfahren und mehr Unabhängigkeit für zivilgesellschaftliche Gruppen. Hofert pflichtete ihm bei und erklärte, die Reform dürfe kein von Berlin aus gesteuertes Top-down-Projekt werden. Stattdessen müssten Partnerländer, lokale Organisationen und junge Menschen von Anfang an verbindlich einbezogen werden.
Der Bericht stellt zudem fest, dass das internationale humanitäre Völkerrecht zunehmend missachtet werde und Hilfe politischer instrumentalisiert werde. Dies untergrabe ihre grundlegenden Prinzipien, warnten die Autoren. Die Mittel für humanitäre Hilfe müssten im nächsten Haushalt von einer Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro aufgestockt werden. Mogge betonte, dass nicht nur die Krisenbewältigung, sondern auch präventive Maßnahmen sofortige finanzielle Unterstützung benötigten.
Seit 2022 hat die Bundesregierung das Budget für Entwicklungszusammenarbeit bereits um ein Drittel gekürzt. Für 2027 sind weitere Kürzungen geplant, was die Dringlichkeit der Forderungen der NGOs unterstreicht.
Die Organisationen fordern einen inklusiveren und wirksameren Ansatz in der Entwicklungspolitik. Sie verlangen höhere Mittel für humanitäre Hilfe und eine stärkere Einbindung lokaler und zivilgesellschaftlicher Stimmen. Der Bericht macht deutlich: Ohne diese Veränderungen werde es der Entwicklungshilfe kaum gelingen, den wachsenden globalen Herausforderungen gerecht zu werden.
