Digitale Gesundheitsversorgung in Deutschland: Warum die elektronische Patientenakte kaum genutzt wird
Johanna JägerDigitale Gesundheitsversorgung in Deutschland: Warum die elektronische Patientenakte kaum genutzt wird
Deutschlands Vorstoß für digitale Gesundheitsversorgung stockt trotz Fortschritten
Die Bemühungen Deutschlands, die Gesundheitsversorgung zu digitalisieren, stoßen weiterhin auf Hindernisse – trotz schrittweiser Fortschritte. Die elektronische Patientenakte (ePA), die 2021 eingeführt wurde, verzeichnet nur eine zögerliche Nutzung: Bis 2025 nutzen sie lediglich 10 bis 15 Prozent der berechtigten Patientinnen und Patienten. Ärztinnen und Ärzte stehen dem System skeptisch gegenüber und verweisen auf Datenschutzrisiken sowie zusätzlichen Verwaltungsaufwand, statt auf spürbare Vorteile im Praxisalltag.
Seit ihrem Start kämpft die ePA mit geringer Akzeptanz. Die Nutzungszahlen stiegen zwar von einstelligen Werten auf etwa 10 bis 15 Prozent bis 2025, doch selbst Anreize, die mehr als die Hälfte der Arztpraxen bis 2026 zur Einführung bewegen sollen, zeigen nur begrenztes Wirkung. Viele Mediziner bestehen weiterhin auf Haftungsausschlüsse von Patienten – aus Sorge vor unzureichendem Datenschutz.
Technisch gab es zwar Verbesserungen: Updates der Telematikinfrastruktur haben die Stabilität erhöht. Doch aus Sicht der Behandler bringt das System kaum praktischen Nutzen. Stattdessen bedeutet es mehr Bürokratie – und die Frage, ob die ePA den Arbeitsalltag tatsächlich erleichtert, bleibt offen.
Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) betrachtet die Digitalisierung zwar als unverzichtbar für die Zukunft der Gesundheitsversorgung, betont aber die Notwendigkeit einer stabilen, störungsfreien Grundlage. Gefordert werden schnellere Umsetzung, mehr Wettbewerb und Finanzierungslösungen – insbesondere, um private Versicherer in der ambulanten Versorgung zu stärken. Besonders ländliche Regionen hinken hinterher, bedingt durch schlechte Internetanbindung und begrenzte Mobilitätsangebote.
Um Praxen zu entlasten, schlägt der PKV digitale Werkzeuge vor, etwa Online-Erstbewertungen oder verbesserte Terminvergabe. Zudem plädiert der Verband für interoperable Plattformen, die allen Patientinnen und Patienten – unabhängig von ihrer Versicherungsart – Zugang ermöglichen.
Zwar nimmt die Nutzung der ePA langsam zu, doch die Skepsis unter Ärzten gegenüber Nutzen und Sicherheit bleibt. Die Forderungen des PKV nach Stabilität, Finanzierung und besserer Versorgung im ländlichen Raum zeigen: Die Hürden auf dem Weg zur digitalen Gesundheitsversorgung in Deutschland sind noch lange nicht überwunden. Werden diese Probleme nicht gelöst, könnte die flächendeckende Einführung weiter auf sich warten lassen.
Deutschland präsentiert ehrgeizige digitale Gesundheitsstrategie mit ePA-Zielen bis 2030
Die deutsche Regierung hat eine überarbeitete digitale Gesundheitsstrategie 'Gemeinsam Digital 2026' angekündigt und klare Ausbaumziele für die elektronische Patientenakte (ePA) gesetzt. Wichtige Entwicklungen sind:
- 20 Millionen aktive ePA-Nutzer bis 2030, gegenüber derzeit 4 Millionen.
- 70% der Einrichtungen nutzen bis 2028 AI-unterstützte Dokumentation, um administrative Belastungen zu reduzieren.
- Vollständige Integration von Funktionen wie digitale Erstbewertungen, elektronische Überweisungen und vollständige Umsetzung von elektronischen Arztbriefen bis Ende 2027. Die Strategie priorisiert auch AI in administrativen Aufgaben und Datenfreigabe in der Forschung und adressiert die Effizienzbedenken von Ärzten, die im ursprünglichen Bericht erhoben wurden.