03 April 2026, 14:09

Büropflicht vs. Produktivität: Warum viele nur noch "Präsenz zeigen" statt zu arbeiten

Großes Großraumbüro mit Menschen, die an Schreibtischen arbeiten, Computern und Monitoren, umgeben von Stühlen, Papieren, Büchern und anderen Büromaterialien, mit aufgehängten Kleidungsstücken, Wandtafeln, Deckenlampen und Glasfenstern im Hintergrund.

Büropflicht vs. Produktivität: Warum viele nur noch "Präsenz zeigen" statt zu arbeiten

Eine neue Umfrage des Jobportals Indeed zeigt: Die Arbeit im Büro steigert nicht immer die Produktivität. Viele Beschäftigte fühlen sich nach einem Tag im Büro erschöpfter als bei der Arbeit im Homeoffice. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Unternehmen in ganz Deutschland strengere Präsenzregelungen durchsetzen – und damit Debatten über Flexibilität und Zufriedenheit am Arbeitsplatz auslösen.

Ein großer Konzern wie SAP hat seit der Pandemie die Büropflicht verschärft und sich von flexiblen Modellen verabschiedet. Gleichzeitig deuten allgemeine Trends darauf hin, dass Mitarbeiter zunehmend frustriert sind über starre Vorgaben am Arbeitsplatz. Manche wären sogar bereit, Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen, wenn ihre Leistung stattdessen ergebnisorientiert bewertet würde.

Die Umfrage offenbart eine klare Kluft zwischen den Erwartungen der Arbeitgeber und den Erfahrungen der Beschäftigten. Mehr als die Hälfte der Befragten (56,6 %) gibt zu, nur ins Büro zu kommen, um gesehen zu werden – obwohl sie ihre Aufgaben zu Hause effizienter erledigen könnten. Weitere 55,9 % sind überzeugt, dass ihre Vorgesetzten Sichtbarkeit höher bewerten als tatsächliche Ergebnisse.

Der Druck, beschäftigt zu wirken, zeigt sich auch auf andere Weise. Rund 27,7 % der Mitarbeiter täuschen bei der Remote-Arbeit einen "verfügbar"-Status vor, um Kontrollen zu entgehen. Und 25,4 % bleiben abends länger im Büro, einfach weil ihr Chef noch da ist – unabhängig davon, ob sie noch Arbeit haben.

Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland, warnt, dass Unternehmen, die auf Präsenz fixiert sind, damit rechnen müssen, dass sich Mitarbeiter entsprechend anpassen. Seine Aussagen spiegeln eine wachsende Unzufriedenheit wider: 48,8 % der Beschäftigten berichten von stärkerer Erschöpfung nach Bürotagen im Vergleich zur Arbeit von zu Hause.

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Die Umfrage belegt zudem einen deutlichen Wunsch nach mehr Flexibilität. Fast die Hälfte (47,3 %) wünscht sich kürzere Anfahrtswege oder Zuschüsse für den Arbeitsweg, um das Büro attraktiver zu machen. Eine beträchtliche Mehrheit von 66,2 % wäre sogar bereit, fünf Prozent Gehalt zu opfern, wenn ihre Leistung ausschließlich nach Ergebnissen – und nicht nach Anwesenheit – bewertet würde.

Während Unternehmen wie Otto und Volkswagen bisher keine konkreten Änderungen ihrer Richtlinien angekündigt haben, führt der allgemeine Trend zu mehr Büropflicht zu Vertrauensproblemen. Viele Mitarbeiter fragen sich, ob ihre Arbeitgeber ihre Zeit oder nur ihre physische Präsenz wertschätzen.

Die Ergebnisse deuten auf eine Diskrepanz zwischen Unternehmenspolitik und Bedürfnissen der Beschäftigten hin. Da immer mehr Arbeitnehmer ergebnisorientierte Bewertungen flexiblen Präsenzregeln vorziehen, könnten Unternehmen ihre Strategie überdenken müssen. Die Umfrage legt nahe, dass strengere Bürovorgaben ohne Anpassungen langfristig die Zufriedenheit und Produktivität weiter mindern könnten.

Quelle