Berlins Ausbildungsabgabe bringt Startups in die Zwickmühle und löst Kritik aus
Tobias LangBerlins Ausbildungsabgabe bringt Startups in die Zwickmühle und löst Kritik aus
Berlins neue Ausbildungsabgabe sorgt für Frust bei Startups
Die von Abgeordnetenhaus beschlossene Regelung zwingt Unternehmen, in einen Fonds einzuzahlen, wenn sie ihre Ausbildungsquoten nicht erfüllen. Gründer kritisieren, die Vorschrift ignoriere die Realität moderner Betriebe und die veränderten Prioritäten junger Arbeitnehmer.
Ab 2028 müssen Berliner Firmen mit mindestens zehn Beschäftigten sicherstellen, dass 4,6 Prozent ihrer Belegschaft aus Auszubildenden bestehen. Wer dies verfehlt, zahlt in einen zentralen Topf ein – mit geschätzten jährlichen Einnahmen von rund 75 Millionen Euro. Aktuell liegt die Ausbildungsquote der Stadt bei 3,1 Prozent und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent. Unternehmen, die die bundesweite Vorgabe bereits übertreffen, bleiben von Strafen verschont.
Viele Startup-Gründer lehnen die Regelung als praxisfern ab. Marius Meiners, Gründer des KI-Unternehmens Peec AI, räumt ein, sein Team habe schlicht keine Kapazitäten, um Auszubildende zu betreuen – zu hoch sei die Arbeitsbelastung. Er würde lieber die Abgabe zahlen, als den Betriebsablauf zu stören. Moritz Kreppel von Urban Sports Club argumentiert, Startups würden für Stellen bestraft, die sich schlicht nicht für klassische Ausbildungsberufe eigneten.
Andere sehen tieferliegende Probleme. Agnieszka Walorska, Mitgründerin des Fintechs Mika, verweist auf das nachlassende Interesse junger Menschen an Ausbildungen – nicht auf mangelnde Bereitschaft der Unternehmen – als eigentliche Herausforderung. Ralph Hage von Lap Coffee kritisiert die Abgabe als "falsches Signal": Sein Unternehmen setze auf Automatisierung und moderne Schulungsmethoden statt auf veraltete Ausbildungsmodelle.
Kritiker bemängeln zudem den pauschalen Ansatz der Regelung. Lap Coffee etwa hat seine Arbeitsprozesse auf standardisierte Abläufe und digitales Lernen ausgelegt – mit wenig Raum für traditionelle Ausbildungen. Dennoch schützen solche Anpassungen nicht vor den finanziellen Konsequenzen der neuen Vorschrift.
Ziel der Abgabe ist es, die berufliche Ausbildung durch Umverteilung der Mittel von nicht konformen Betrieben zu stärken. Doch da viele Startups bereits Schwierigkeiten haben, Ausbildungsplätze in ihre Strukturen zu integrieren, droht die Regelung die Unternehmen zusätzlich zu belasten. Die Debatte dreht sich nun darum, ob finanzielle Sanktionen die Ausbildungslücke schließen – oder Firmen nur zu Ausweichstrategien drängen.






