Bayreuther Festspiele rudern zurück: Michel Friedman darf doch sprechen
Tobias LangBayreuther Festspiele rudern zurück: Michel Friedman darf doch sprechen
Die Bayreuther Festspiele haben sich bei Michel Friedman entschuldigt, nachdem sie eine Veranstaltung mit ihm zunächst abgesagt hatten. Als Begründung für die Entscheidung wurden Sicherheitsbedenken genannt, doch die geplante Diskussion wird nun wie vorgesehen stattfinden. Friedman hatte der Institution vorgeworfen, sich ihrer historischen Aufarbeitung des Antisemitismus zu entziehen.
Die Festspiele setzen sich seit Langem mit dem Erbe von Richard Wagners Antisemitismus auseinander. In den vergangenen 20 Jahren haben sie Maßstäbe bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema gesetzt – etwa durch szenische Annäherungen wie Katharina Wagners Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg. In Symposien und künstlerischen Debatten wurden zudem Wagners Verbindungen zum Nationalsozialismus sowie die Rolle der Familie in dieser Zeit beleuchtet.
Jüdische Dirigenten wie Daniel Barenboim und Kirill Petrenko haben die musikalische Ausrichtung des Festivals maßgeblich geprägt. Gedenkstele im Festspielpark erinnern an die ermordeten und vertriebenen Juden und unterstreichen das sichtbare Bekenntnis zur Erinnerungskultur.
Christian Thielemann präzisierte, dass Gespräche über eine Veranstaltung mit Friedman bereits vor über einem Jahr begonnen hätten, er dieser jedoch nie formal zugestimmt habe. Katharina Wagner erklärte später, dass Sicherheitsrisiken zur ursprünglichen Absage geführt hätten.
Mit der Entschuldigung der Festspiele wird die Veranstaltung mit Friedman nun doch stattfinden. Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus durch Kunst, Diskussionen und Gedenkinitiativen bleibt ein zentraler Bestandteil ihrer Identität. Die Entscheidung spiegelt die anhaltenden Bemühungen wider, historische Verantwortung mit zeitgenössischem Engagement in Einklang zu bringen.






