Banaszaks feministische Männerpolitik spaltet die Grünen und die Gesellschaft
Tobias LangBanaszaks feministische Männerpolitik spaltet die Grünen und die Gesellschaft
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, wirbt für einen neuen feministischen Ansatz – einen, der Männer explizit mit einbezieht. Seine jüngsten Bemühungen, junge Männer für feministische Ideen zu gewinnen, haben sowohl Debatten als auch Widerstand ausgelöst. Die Diskussion kommt zu einer Zeit, in der rechtsextreme Positionen bei jüngeren männlichen Wählern an Zuspruch gewinnen und damit Fragen zu Geschlechterrollen und politischer Identität aufwerfen.
Im Februar sorgte Banaszak mit einem Interview im Playboy für Schlagzeilen – sein erster öffentlicher Versuch, junge Männer mit einer feministischen Botschaft zu erreichen. Er argumentierte, dass starre Geschlechterklischees nicht nur Frauen, sondern auch Männer schaden, und rief Männer dazu auf, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen. Nur wenige Monate später, im April, kritisierte der Bundesfrauenrat der Grünen seinen Fokus auf „Männerpolitik“ und äußerte Unmut über die veränderte Tonlage.
Vor zwanzig Jahren trug der Fußballtorwart Tim Wiese noch ohne Kritik Rosa auf dem Platz – ein Zeichen, das seine Männlichkeit nicht infrage stellte. Heute ist Banaszaks eigene Vorliebe für die Farbe – er ließ sogar sein Büro pink streichen – zu einem kleinen, aber symbolträchtigen Teil seiner Kampagne geworden. Doch seine Botschaft steht im Kontrast zu größeren gesellschaftlichen Trends: Bei der letzten Bundestagswahl wählten Männer unter 24 Jahren häufiger die rechtsextreme AfD als Frauen derselben Altersgruppe.
Der AfD-Politiker Maximilian Krah heizte die Debatte Anfang dieses Jahres weiter an. In einem Video vor der Europawahl 2024 suggerierte er, junge Männer, die Schwierigkeiten hätten, Partnerinnen zu finden, sollten „nach rechts“ tendieren. Eine Rhetorik, die sich scharf von Banaszaks Appell zur Selbstreflexion abhebt. Im Interview gab er zu, sich für Gewalt gegen Frauen und die gesellschaftlichen Strukturen, die sie ermöglichen, zu schämen.
Innerhalb der Grünen unterstützen Politiker wie Rasmus Andresen und Sven Lehmann einen sanfteren, inklusiveren Ton gegenüber Männern in feministischen Diskursen. Doch dies ist nicht der erste Versuch der Partei, Männer einzubinden. Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich.“ Jetzt bringt Banaszak die Debatte wieder auf die Agenda und betont, dass Männer Feminismus als eine Sache begreifen sollten, die auch sie etwas angeht.
Banaszaks Plädoyer für einen männereinbeziehenden Feminismus hat nicht nur innerparteiliche Gräben offenbart, sondern auch darüber hinaus für Kontroversen gesorgt. Während einige Grüne einen weltoffeneren Ansatz befürworten, bleiben andere skeptisch. Gleichzeitig verleiht der Zulauf junger Männer zu rechtsextremen Positionen der Debatte über Geschlecht, Politik und Identität zusätzliche Dringlichkeit.






