18 March 2026, 02:04

Apothekenreform scheitert an Widerstand von Ländern und Apothekern vor 2026

Plakat, das zeigt, dass Big Pharma 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie in anderen Ländern, mit Bildern von Medikamentenflaschen und einer Spritze.

Apothekenreform scheitert an Widerstand von Ländern und Apothekern vor 2026

Die geplante Apothekenreform in Deutschland stößt auf massiven Widerstand von Apothekern und Politikern. Kritiker werfen den aktuellen Vorschlägen vor, zentrale Probleme nicht zu lösen – darunter die finanzielle Stabilität lokaler Apotheken. Der Streit hat nun den Bundesrat erreicht, wo die Länder vor der endgültigen Abstimmung im Bundestag 2026 weitreichende Änderungen durchsetzen wollen.

Die vom Bundesgesundheitsministerium geplante Neuregelung der Apothekenvorschriften hat breite Kritik ausgelöst. Apotheker und Abgeordnete bemängeln, dass die Reform eine zugesagte Erhöhung der Festbeträge auf 9,50 Euro ignoriert – eine Zusage, die im Koalitionsvertrag verankert war. Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, betont, dass diese Anpassung unverzichtbar sei, um die Existenz lokaler Apotheken zu sichern. Ohne sie drohe in ländlichen Regionen der Verlust der persönlichen Arzneimittelversorgung, warnt er.

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Carolina Trautner, Apothekerin und Mitglied im Gesundheitsausschuss Bayerns, teilt diese Bedenken. Sie unterstreicht, dass Apotheken finanzielle Planungssicherheit benötigten, um die Arzneimittelversorgung zu gewährleisten. Sowohl Trautner als auch Seidenath lehnen zudem Pläne ab, nach denen Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) Apotheken eigenständig führen dürfen. Dies würde ihrer Meinung nach die beruflichen Standards untergraben.

Der Bundesrat fordert umfassendere Reformen, darunter eine bessere Vertretung der PTA und klarere Regelungen für Filialapotheken. Die Bundesregierung hat diese Forderungen jedoch weitgehend zurückgewiesen. Sollten die Länder mit dem Beschluss des Bundestags im April 2026 unzufrieden sein, könnten sie den Vermittlungsausschuss anrufen.

Die finanzielle Belastung zwingt bereits jetzt einige Apotheken zur Schließung – besonders in ländlichen Gebieten. Bernd Stocker, Regionalverkaufsleiter beim Pharmagroßhändler Noweda, beobachtet, dass junge Apotheker zögern, wirtschaftlich angeschlagene Betriebe zu übernehmen. Gleichzeitig profitieren Online-Apotheken von weniger strengen Auflagen, was Kritiker als wettbewerbsverzerrend anprangern.

Seidenath geht noch einen Schritt weiter und fordert ein vollständiges Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten – eine Regelung, die in mehreren EU-Ländern bereits gilt. Dies würde lokale Apotheken vor der Konkurrenz durch digitale Anbieter schützen, argumentiert er.

Die Zukunft der Reform bleibt ungewiss, da Länder und Apotheker weiter gegen den Kurs der Bundesregierung opponieren. Kommt es zu keiner Einigung, könnte der Streit die Verabschiedung des Gesetzes verzögern oder grundlegend verändern. Die lokalen Apotheken warnen unterdessen: Ohne stärkere finanzielle Unterstützung werde ihre Fähigkeit, die Bevölkerung zu versorgen, weiter schwinden.

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