32 Kinder mit Förderbedarf rocken die Bühne in Rheinsbergs Musiktheater-Projekt
Noah Krüger32 Kinder mit Förderbedarf rocken die Bühne in Rheinsbergs Musiktheater-Projekt
Ein mitreißendes Musiktheaterprojekt bringt 32 Kinder aus ländlichen Förderschulen zusammen
Unter dem Titel „Könige und Königinnen – Ein musikalischer Coup“ präsentierten 32 Kinder und Jugendliche aus ländlichen Schulen mit besonderem Förderbedarf eine lebendige Musiktheaterproduktion. Das Projekt entstand während einer intensiven Probenwoche im Schloss Rheinsberg und bot den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, Kreativität, Selbstvertrauen und Teamgeist in einem einzigartigen Rahmen zu entfalten.
Die Aufführung verbindet moderne Musik, Tanz und Erzählkunst und bewegt sich zwischen düsterer Fantasie und leichtfüßiger Komödie. Hinter dem Projekt steht das Ensemble Quillo, das seit über zwei Jahrzehnten zeitgenössische Musik interaktiv und zugänglich gestaltet.
Die Idee zu „Könige und Königinnen – Ein musikalischer Coup“ stammte vom Falkenhagener Kollektiv Ensemble Quillo, das seit mehr als 20 Jahren moderne Musik in ländliche Regionen trägt. Die Produktion entstand im Rahmen von „Musiktheater 360°“, einer Initiative der Musikakademie Rheinsberg. Mitwirkende waren Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 16 Jahren, viele von ihnen besuchen Schulen mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Ein besonders eindrucksvoller Moment zeigte eine Gruppe von Mädchen, die selbst bemalte Stäbe namens „Regenmacher“ schwangen. Gefüllt mit Kieselsteinen erzeugten sie ein sanftes, rhythmisches Geräusch wie fallender Regen, während sich die Darstellerinnen synchron bewegten. Später verdüsterte sich die Stimmung in einer traumhaften, fast surreale Szene, in der ein entenartiges Wesen ein Mädchen auf der Bühne verfolgte und „verspeiste“.
Doch die Aufführung nahm auch komödiantische Züge an, als „Ente Kross“, eine fiktive Nachrichtensprecherin, die Bühne betrat. Die Figur forderte das Publikum auf, eine Hotline – mit einer Nummer, die auf 6 und 7 endete – anzurufen, falls jemand Zeuge des seltsamen Vorfalls geworden sei. Den Höhepunkt des Abends bildete ein fröhliches Finale, bei dem die jungen Darstellerinnen und Darsteller selbstbewusst und locker über die Bühne tanzten.
Für die Schülerinnen und Schüler war das Projekt weit mehr als nur ein kreatives Ventil. Lehrkräfte entdeckten ihre Schützlinge in neuem Licht, während Teilnehmer mit besonderem Förderbedarf erkannten, dass sie nicht „falsch“ sind, sondern Regeln mitgestalten und Ideen einbringen können. Zwei von ihnen, Fieby und Helene von der Clara-Zetkin-Schule, meisterten Proben und Vorbereitungen trotz anstehender Deutschprüfungen. Sie teilten sogar ihre Visionen, wie sie ihre Stadt regieren würden, wenn sie die Chance hätten.
Das Ensemble Quillo setzt auf Partizipation und macht das Publikum zum Teil des Erlebnisses. Ihre Arbeit sprengt traditionelle Grenzen und beweist, dass zeitgenössische Musik unterhaltsam, inklusiv und voller Überraschungen sein kann.
Die Aufführung krönte eine einwöchige Zusammenarbeit zwischen jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Musikerinnen und Musikern sowie Pädagoginnen und Pädagogen. Sie zeigte, wie kreative Projekte das Selbstbewusstsein und den Zusammenhalt von Kindern mit unterschiedlichen Lernbedürfnissen stärken können. Die Musikakademie Rheinsberg und das Ensemble Quillo planen, den Zugang zu experimentellem Musiktheater in ländlichen Regionen weiter auszubauen.






